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Behandlungsfehler

Bundesweit hat der Medizinische Dienst der Krankenversicherung über 12.000 Gutachten zu Behandlungsfehlervorwürfen im Jahr 2011 erstellt. Damit ist der MDK die Institution in Deutschland, die die meisten solcher Begutachtungen durchführt. In nahezu jedem dritten Fall (32,1 Prozent) wurde bundesweit der Vorwurf eines Behandlungsfehlers bestätigt. Ein Behandlungsfehler kann vorliegen, wenn eine eigentlich gebotene medizinische Behandlung unterlassen wird, aber auch, wenn ein Eingriff vorgenommen wird, der medizinisch nicht notwendig ist. Außerdem spricht man von einem Behandlungsfehler, wenn eine Behandlung nicht den aktuellen medizinischen Standards entspricht.

Hat ein Patient den Verdacht auf einen Behandlungsfehler, so sollte er zunächst ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt suchen. Wenn die entsprechenden Bedenken nicht ausgeräumt werden können und beim Patienten nach wie vor Zweifel an der ärztlichen Behandlung bestehen, sind die Krankenkassen erster Ansprechpartner.

Bisher gilt gemäß § 66 SGB V, dass Krankenkassen die Versicherten bei der Verfolgung von Schadensersatzansprüchen unterstützen „können“. Das geplante Patientenrechtegesetz sieht vor, die „Kann“-Vorschrift zu einer „Soll“-Vorschrift zu erweitern, womit die Unterstützung der Krankenkasse von einer Ermessens- zu einer Pflichtleistung wird.

Hierzu arbeiten die Krankenkassen eng mit dem MDK im Saarland zusammen, der in ihrem Auftrag ein fachärztliches Gutachten erstellt, dabei werden Ärztinnen und Ärzte der entsprechenden Fachrichtung und mit entsprechenden medizinrechtlichen Kenntnissen eingesetzt. So erhalten die betroffenen Patienten eine fundierte gutachterliche Unterstützung, ohne dass ihnen zusätzliche Kosten entstehen.

Der ärztliche Gutachter des MDK im Saarland erstellt auf der Grundlage der vollständigen Behandlungsakten sowie aufgrund eines Gedächtnisprotokolls des Patienten ein Gutachten. Der Gutachter wertet diese Unterlagen aus, stellt die Fakten des Behandlungsverlaufes in allgemeinverständlicher Sprache dar und bewertet sie. Es wird geprüft, ob ein Behandlungsfehler im Sinne eines nachweisbaren Verstoßes gegen den Facharztstandard, der zum Zeitpunkt der Behandlung galt, oder gegen allgemeine Sorgfaltspflichten des Arztes vorlag. Ein Schadensersatzanspruch aus einem Behandlungsfehler besteht für den Patienten nur dann, wenn der Behandlungsfehler auch tatsächlich zu einem Gesundheitsschaden geführt hat, das heißt ursächlich für diesen Schaden ist.

Erhärtet sich der Verdacht auf einen Behandlungsfehler, erstellt der MDK im Saarland ein wissenschaftlich fundiertes Gutachten, das vor Gericht Bestand hat. Das Gutachten wird nach Fertigstellung an die Kasse gesandt, die sich dann erneut mit dem Patienten in Verbindung setzt. Im Zweifel kann der Patient das Gutachten mit dem Sachbearbeiter der Krankenkasse oder einem Rechtsanwalt besprechen.

Weitere Informationen zur Begutachtung von Behandlungsfehlervorwürfen durch die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung finden Sie auf den Informationsseiten des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS).